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25.11.2017

EU-Kommission analysiert Gesundheitssysteme

Die Europäische Kommission hat die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedstaaten eingehend analysiert. Dabei geht es um die Gesundheit der Bevölkerung und wichtige Risikofaktoren sowie die Effizienz, Zugänglichkeit und langfristige Tragbarkeit der Gesundheitssysteme.

Der Bericht für Deutschland zeigt, dass sich der Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung seit dem Jahr 2000 verbessert, dennoch bleiben verhaltensbedingte Risikofaktoren problematisch.

Mehr Krebstote in Deutschland

In Deutschland betrug im Jahr 2015 die Lebenserwartung bei Geburt 80,7 Jahre und lag damit immer noch leicht über dem EU-Durchschnitt von 80,6, allerdings ist sie langsamer gestiegen als in den meisten EU-Ländern und beträgt zwei Jahre weniger als in Spanien und Italien. Die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen - nach wie vor die häufigste Todesursache - ist seit 2000 erheblich gesunken, wohingegen die Krebssterblichkeit gestiegen ist.

Im Jahr 2014 rauchten 21 Prozent der Erwachsenen in Deutschland täglich Tabak, was ungefähr dem EU-Durchschnitt entspricht. Tabak- und Alkoholkonsum sind im Allgemeinen zurückgegangen, allerdings bleibt das Rauschtrinken problematisch und weist hierzulande das fünfthöchste Niveau in der EU auf. Adipositas ist in Deutschland ein zunehmendes Problem, denn ihre Prävalenz bei den Erwachsenen hat sich seit 2003 um fast ein Drittel erhöht. Im Jahr 2014 lag der Anteil der adipösen Erwachsenen in Deutschland leicht über dem EU-Durchschnitt.

Wichtigste Ergebnisse

Aus dem Begleitbericht ergeben sich fünf bereichsübergreifende Schlussfolgerungen:

  • Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention ebnen den Weg für ein wirksameres und effizienteres Gesundheitssystem. Abgesehen von den unzureichenden Investitionen in Präventionsmaßnahmen gilt es auch soziale Ungleichheiten zu bekämpfen, die in Unterschieden bei der Krebsvorsorge oder dem Ausmaß körperlicher Aktivitäten von Menschen mit höherem und niedrigerem Einkommen und Bildungsstand sichtbar werden.
  • Eine starke Primärversorgung steuert die Patientinnen und Patienten effizient durch das Gesundheitssystem und trägt dazu bei, unnötige Ausgaben zu vermeiden. 27 Prozent der Kranken gehen in eine Notaufnahme, weil die Primärversorgung nicht gewährleistet ist. Nur in 14 EU-Mitgliedstaaten ist für einen Facharztbesuch eine Überweisung des Hausarztes erforderlich. In neun anderen Ländern gibt es finanzielle Anreize für Überweisungen.
  • Die integrierte Versorgung stellt sicher, dass Patienten eine ganzheitliche Versorgung erhalten. So werden Situationen vermieden, wie wir sie derzeit in fast allen EU-Mitgliedstaaten sehen, in denen die Versorgung fragmentiert ist und die Patienten sich selbst durch ein Labyrinth von Versorgungseinrichtungen kämpfen müssen.
  • Die proaktive Planung und Prognose des Fachkräftebedarfs im Gesundheitswesen rüstet die Gesundheitssysteme für künftige Entwicklungen. In der EU gibt es 18 Millionen Fachkräfte im Gesundheitswesen, und bis 2025 werden weitere 1,8 Millionen Arbeitsplätze entstehen. Die Gesundheitsbehörden müssen ihre Fachkräfte auf den bevorstehenden Wandel vorbereiten: eine alternde Bevölkerung und Mehrfacherkrankungen, die Notwendigkeit vernünftiger Einstellungsstrategien, neuer Kompetenzen und technischer Innovation.
  • Die Patientinnen und Patienten sollten im Zentrum der nächsten Generation besserer Gesundheitsdaten für Politik und Praxis stehen. Der digitale Wandel in Gesundheit und Pflege trägt dazu bei, Ergebnisse und Erfahrungen aus der Praxis aufzugreifen, die für die Patientinnen und Patienten von Belang sind und ein großes Potenzial haben, die Wirksamkeit des Gesundheitssystems zu stärken.

Weitere Informationen:

Das deutsche Gesundheitsprofil

Die 28 länderspezifischen Gesundheitsprofile, der Begleitbericht und weitere Hintergrundinformationen finden Sie hier.

(EU / STB Web)