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29.05.2015

Beweislast für Hygienemängel bei mehreren MRSA-Infektionen

Ein Patient, bei dem während eines Krankenhausaufenthaltes eine MRSA-Infektion auftritt, muss einen schadensursächlichen Hygienemangel auch dann beweisen, wenn während der Zeit seines Krankenhausaufenthalts vier weitere Patienten MRSA-Infektionen erleiden. Allein diese Anzahl weiterer MRSA-Infektionen rechtfertigt keine Beweislastumkehr zu Lasten des Krankenhauses. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden.

 

Die Klägerin wurde aufgrund eines Tumors auf der allgemeinchirurgischen Abteilung des beklagten Krankenhauses operativ behandelt. Im Bereich der Einstichstelle eines während der Operation gesetzten Katheters erlitt die sie einen Abszess, der sich entzündete. Der Abszess musste daraufhin in der neurochirurgischen Abteilung einer anderen Klinik, in die die Klägerin verlegt wurde, operativ behandelt werden. Dabei ergab sich ein MRSA-Befund.

Patientin muss Hygienemangel nachweisen

Vom beklagten Krankenhaus hat die Klägerin 30.000 Euro Schmerzensgeld verlangt, u.a. mit der Begründung, der Katheter und die Einstichstelle seien nicht hygienisch einwandfrei gepflegt und vorsorgt worden. Dabei hat die Klägerin behauptet, während ihres Aufenthaltes im beklagten Krankenhaus sei es zu mindestens vier weiteren MRSA-Infektionen gekommen. Die Schadensersatzklage der Klägerin ist jedoch erfolglos geblieben. Nach dem
Einholen eines medizinischen Sachverständigengutachtens konnte auch das OLG Hamm keine von dem beklagten
Krankenhaus zu verantwortenden Behandlungsfehler feststellen (Urteil vom 14.04.2015, Az. 26 U 125/13). In Bezug auf die beanstandete Hygiene habe die Klägerin keinen Mangel nachgewiesen.

Hygienedefizit ab 10 gleichzeitig Betroffenen vermutbar

Insoweit komme auch keine Umkehr der Beweislast unter dem Gesichtspunkt eines vom Krankenhaus voll beherrschbaren Geschehens in Betracht. Nach den Angaben des Sachverständigen gebe es in Deutschland keinen medizinischen Standard, der jegliche Art von Infektionen ausschließe. Ein solcher Standard sei allenfalls theoretisch vorstellbar, im Klinikalltag aber praktisch nicht zu erreichen. Im Übrigen könne auch ein Patient selbst Träger von MRSA-Keimen sein, so dass der Ausbruch einer MRSA-Infektion nicht von vornherein auf einen Hygienemangel
schließen lasse. Ein solcher folge auch nicht aus vier weiteren MRSA-Infektionen während des Krankenhausaufenthaltes der Klägerin. Entscheidend sei vielmehr der Einzelfall. Bezogen auf weitere Fälle von
MRSA-Infektionen könne für ein Hygienedefizit sprechen, wenn etwa bei 10 Patienten auf der Station zur gleichen Zeit eine solche Infektion auftrete.

(OLG Hamm / STB Web)