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16.09.2013

Arzthaftung bestätigt: Brustkrebs zu spät erkannt

Ein Frauenarzt haftet auf Schadensersatz, weil er einer Patientin, bei der im Jahr 2010 Brustkrebs diagnostiziert wurde, nicht bereits bei der 2008 durchgeführten Krebsvorsorgeuntersuchung zur Mammografie riet.

 

Die heute 66jährige Klägerin befand sich seit vielen Jahren in frauenärztlicher Behandlung beim beklagten Arzt. Er nahm jährliche Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen mittels Ultraschall und klinischer Untersuchung vor. Im Jahr 2001 fand eine Mammografie statt, zu deren Wiederholung er der Patientin erst 2010 riet. Aus dieser Mammografie ergab sich der Verdacht eines Mammakarzinoms. Der Tumor wurde sodann diagnostiziert und operativ behandelt, wobei befallene Lymphknoten entfernt werden mussten. Im Anschluss hieran folgten eine Strahlentherapie und eine Chemotherapie. Vom Arzt verlangte die Patientin Schadensersatz, u.a. ein Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 €, da der Brustkrebs bei ihr früher zu erkennen und weniger belastend zu behandeln gewesen sei.

Grober Behandlungsfehler bejaht

Das Oberlandesgericht Hamm gab der Patientin mit Urteil vom 12.08.2013 (Az. 3 U 57/13) Recht und sprach ihr ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 € zu. Der Arzt hafte, weil er ihr nicht bereits bei der Vorsorgeuntersuchung 2008 zur Mammografie geraten habe. Zu dieser Zeit sei eine Mammografie als einzig sichere Methode zur Senkung des Mortalitätsrisikos anerkannt gewesen. In dem speziellen Fall sei der unterlassene Rat sogar als grober Behandlungsfehler zu bewerten, weil es der Patientin während ihrer Behandlung ersichtlich auf die Minimierung jedweden Brustkrebsrisikos angekommen sei. Zudem hatte der Arzt ihr ein Medikament verordnet, das das Brustkrebsrisiko erhöhte. Zu Gunsten der Patientin sei deswegen davon auszugehen, dass sich bei einer 2008 erkannten Krebserkrankung noch keine Metastasen gebildet hätten und sie mit einer weniger belastenden Operation hätte behandelt werden können. Auch eine Chemotherapie wäre ihr dann erspart geblieben. Im Übrigen hätte sich bei einer früheren Behandlung eine günstigere Prognose für die 5-Jahres-Überlebensrate ergeben.

(OLG Hamm / STB Web)