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03.09.2013

Apotheker haftet für grob fehlerhafte Medikamentenabgabe

Gibt ein Apotheker in grob fehlerhafter Weise ein falsches Medikament an einen Patienten aus und bleibt unklar, ob ein gesundheitlicher Schaden auf diesen Fehler zurückzuführen ist, muss der Apotheker beweisen, dass der Schaden nicht auf der Fehlmedikation beruht.

 

Ein Kind mit Down-Syndrom (freie Trisomie 21) und Herzfehler sollte am Herzen operiert werden. Zur zwischenzeitlichen Behandlung sollte es ein digitalishaltiges, herzstärkendes Medikament erhalten. Aufgrund eines Versehens stellte der Arzt das Rezept in einer 8-fach überhöhten Dosierung aus. Der Apotheker, der nach Ansicht der Richter die Überdosierung hätte erkennen müssen, verkaufte dennoch das Medikament entsprechend. Nach wenigen Tagen erlitt das Kind einen Herzstillstand und wurde 50 Minuten lang reanimiert. Die Eltern verlangten sowohl vom Arzt als auch vom Apotheker Schadensersatz und Zahlung eines Schmerzensgelds.

Patientenrechtsgesetz eindeutig

Das Oberlandesgericht Köln stellte mit Urteil vom 07.08.2013 (Az. 5 U 92/12) fest, dass das Kind fünf Jahre nach der Falschbehandlung eine Hirnschädigung in Form eines erheblichen Entwicklungsrückstands habe. Im Alter von fünf Jahren sei es noch immer nicht in der Lage, zu sprechen, zu laufen oder selbstständig zu essen. Zwar sei unklar, ob dies auf die Falschmedikation und den Sauerstoffmangel nach dem Herzstillstand oder den genetischen Defekt zurückzuführen sei. Dies gehe hier jedoch nicht zu seinen Lasten. Vielmehr müssten der Arzt und der Apotheker bei einem solch groben Behandlungsfehler beweisen, dass der Schaden nicht aufgrund der Überdosierung entstanden sei. Dies sei ihnen nicht gelungen. Diese Handhabe der Beweislast schreibe das seit Anfang 2013 geltende Patientenrechtegesetz ausdrücklich vor.

Bislang ungeklärte Haftungsfrage

Die Haftungsgrundsätze hat das OLG nun auch auf die Haftung von Apothekern übertragen und damit eine bisher in der Rechtsprechung ungeklärte Frage erstmals entschieden. Ein solch grober Fehler dürfe einem Apotheker nicht unterlaufen, so die Richter. Angesichts des hochgefährlichen Medikamentes hätte er in ganz besonderer Weise Sorgfalt walten lassen und den Fehler im Rezept erkennen müssen. Die Anwendung der Grundsätze des groben Behandlungsfehlers auf vergleichbar schwerwiegende Fehler von Apothekern sei geboten, weil die Sach- und Interessenlage gleichgelagert sei. Gerade bei der fehlerhaften Verabreichung von Medikamenten könne das Zusammenwirken von Arzt, Apotheker und Medikament nicht sinnvoll getrennt werden.

Die Revision zum Bundesgerichtshof wurde zugelassen. Vor allem die Frage, ob die Grundsätze zum groben Behandlungsfehler auf Apotheker entsprechend anzuwenden ist, hat grundsätzliche Bedeutung.

(OLG Karlsruhe / STB Web)